Bachhaus Eisenach

Museum der Neuen Bachgesellschaft e.V.

Sonderausstellung, 29. Mai 2015 - 08. November 2015

Geschraubt, gedreht, geklappt:
Bachhaus eröffnet „Bach in Berlin“

Am 29. Mai eröffnet das Bachhaus in Eisenach die neue Sonderausstellung „Bach in Berlin“. Die Schau widmet sich Bachs Berlin-Besuchen und seinen dabei entstandenen Werken. Zu sehen sind Animationsfilme, musikalische Modellbauten sowie Bachs Erstdruck des „Musikalischen Opfers“ von 1747.

Johann Sebastian Bach reiste wenigstens dreimal nach Berlin: 1719 sollte er für seinen Köthener Dienstherrn Fürst Leopold in der königlichen Residenzstadt ein Cembalo kaufen. 1741 und 1747 besuchte er seinen Sohn Carl Philipp Emanuel, der Hofcembalist Friedrichs des Großen geworden war, und traf 1747 sogar den König selbst in Potsdam. Alle bekannten Berlin-Besuche Bachs verbinden sich mit musikalischen Werken: So entstanden die „Brandenburgischen Konzerte“ als Geschenk für Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg, dem Bach 1719 im Berliner Schloss begegnet war. Während der Reise 1741 schrieb Bach die Kantate „O froher Tag, verlangte Stunde“ für die Heirat eines Freundes seines Sohns, des Berliner Arztes Georg Ernst Stahl. Aus der Begegnung Bachs mit Friedrich II. entstand 1747 schließlich Bachs „Musikalisches Opfer“, das er zwei Monate später dem Preußenkönig widmete. Nach dem Tod von Johann Sebastian Bach im Jahr 1750 wurde Berlin zu einem Zentrum der Bach-Pflege, von hier ging später die Wiederentdeckung seiner Musik aus.

Die Ausstellung im Bachhaus Eisenach erzählt die Geschichte der Berlin-Besuche Bachs und legt die Schwerpunkte auf die „Brandenburgischen Konzerte“ und das „Musikalische Opfer“. Ein Trickfilm erklärt, warum die „Brandenburgischen Konzerte" zwar auf dem neuen Typ des italienischen Concertos aufbauen, Bach aber über diese Vorbilder hinausgeht. Das 1747 Friedrich dem Großen gewidmete „Musikalische Opfer“ wiederum gehört nach Bachhaus-Direktor Jörg Hansen zu den „bekanntesten unbekannten Werken Bachs“: Jeder weiß von der Begegnung Bachs mit Friedrich in Potsdam, bei dem der König dem Komponisten ein Thema vorspielte, über das Bach erst eine drei- und dann sogar eine sechsstimmige Fuge improvisieren sollte – und dabei gehörig ins Schwitzen kam. Bachs zwei Fugen, 10 Kanons und eine Flötensonate, die aus dieser Begegnung hervorgingen, werden dagegen kaum gespielt. Die Meisterleistung steckt dort in der abstrakten Kompositionsweise. Um dies anschaulich werden zu lassen, hat sich das Bachhaus entschlossen, fünf der Kanons aus dem „Musikalischen Opfer“ als Modelle nachzubauen: Hier lassen sich Noten klappen, kurbeln, hochschrauben und umdrehen. Der Bach’sche Witz seiner Kompositionen wird so auch Nicht-Notenkundigen begreiflich.

Auslöser der Eisenacher Ausstellung ist der dort gezeigte Erstdruck des „Musikalischen Opfers“ von 1747, den das Bachhaus 2014 mit Unterstützung des Freistaats Thüringen und der Sparkassen-Kulturstiftung erwerben konnte – es ist eines von nur noch 18 bekannten Exemplaren. Daneben wird zur Berliner Bach-Pflege ein Satz von acht Chorstimmen gezeigt, die Schreiber der Berliner Singakademie 1829 für die spektakuläre Wiederaufführung der Matthäuspassion unter Felix Mendelssohn Bartholdy anfertigten. Sie werden zum ersten Mal in Eisenach ausgestellt, nachdem das Bachhaus zweiundsechzig dieser Hefte im Jahr 2013 erwerben konnte.

Wer nach dem Besuch der Schau im Bachhaus Eisenach Lust auf eine Fahrt nach Berlin bekommen hat, kann die Reproduktion eines Stadtplans von 1737 mitnehmen, auf dem die wichtigsten Schauplätze der Berlin-Besuche Bachs aufgezeichnet sind. Er ist nach Auskunft von Bachhaus-Direktor Jörg Hansen „noch heute gut brauchbar.“

Sonderausstellung „Bach in Berlin“
29.05. – 08.11.2015
Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, 99817 Eisenach
Öffnungszeiten: Tägl. 10 bis 18 UhrUhr

Presserundgang: 29. Mai 2015, 15.00 Uhr

Eröffnung: 29. Mai 2015, 17 Uhr
Grußworte: Staatssekretärin Dr. Babette Winter, Freistaat Thüringen, Dr. Michael Grisko, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Musikalische Umrahmung: KMD Christian Stötzner, Philipp Heidepeter, Magdalena Tschich. Eintritt frei.

Vorschau zur Sonderausstellung
12.03. – 03.05.2015
Berliner Dom. Am Lustgarten, 10178 Berlin
Öffnungszeiten Mo-Sa 9–20 Uhr, So 12–20 Uhr.

Fotos

Berliner Schloss, ca. 1750. Hier traf Bach 1719 den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, dem er später die „Brandenburgischen Konzerte“ widmete.

Titelseite des „Musicalischen Opfers“, das Bach am 7.7.1747 dem Preußenkönig Friedrich II. „allerunterhänigst“ widmete.

Filmszene: Bach trifft den Markgrafen von Brandenburg im Berliner Schloss. Foto: buchstabenschubser.de
 

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