Bachhaus Eisenach

Museum der Neuen Bachgesellschaft e.V.

19.03.2015

„Fantasia“: Programmheft von 1940 (Ausschnitt). Foto: Bachhaus Eisenach

Bach trifft Mickymaus

Benny Goodman, Walt Disney, Heino, die Toten Hosen: Ab dem 21. März stoßen die Besucher im Bachhaus Eisenach auf Namen, die viele in einem Bach-Museum wohl nicht vermutet hätten.

„Inspiration und Popularisierung: Bühne frei für J. S. Bach!“ heißt der neue Bereich, um den am 21. März, dem 330. Bach-Geburtstag, die Dauerausstellung im Bachhaus Eisenach erweitert wird. Es geht um Musiker und andere Künstler, die sich von Bachs Musik haben inspirieren lassen und dadurch zur Popularisierung seiner Musik beitrugen.

Einer der Musiker, die sich von Bachs Musik inspirieren ließen, war Charles Gounod: Der französische Komponist nahm 1854 Bachs Präludium C-Dur (BWV 846) aus dem „Wohltemperierten Klavier“ und entwickelte aus den Harmonien eine zu dem Klavierstück passende Melodiestimme. Diese Melodie sollte ursprünglich von einer Violine oder einem Cello gespielt werden. 1859 fiel Gounod aber auf, dass auf die Melodie auch die Worte des katholischen Gebets „Ave Maria“ („Gegrüßet seist Du, Maria“) passen. Gesungen von einer Sopran- oder Tenorstimme wurde dieses „Ave Maria von Bach/Gounod“ ungemein beliebt. So finden sich unter den Interpreten, die künftig an einer Hörstation im Bachhaus erklingen, nicht nur „ernsthafte Musiker“, wie Cecilia Bartoli oder Yo-Yo Ma, sondern auch Schlagerstars und -sternchen wie Zarah Leander, Nana Mouskouri, Shirley Bassey, Michelle, die Kelly Family, Lena Valaitis, Karel Gott oder Heino. Sogar die „Toten Hosen“ haben eine (sehr ironische) Version aufgenommen. „Wir zeigen, dass nichts Bach populärer gemacht hat als dieses 'Ave Maria', auch wenn manche Interpretationen die Würgereflexe bürgerlicher Bach-Liebhaber gehörig testen werden“, meint Bachhaus-Direktor Jörg Hansen.

Die große Popularität von Bachs Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) in den Vereinigten Staaten verdankt sich wiederum hauptsächlich einer Person: Walt Disney. Der Erfinder der Micky Maus stellte das Stück an den Anfang seines Musikfilms „Fantasia“, der 1940 Premiere hatte. Mit dem Film wollte Disney neue, teils abstrakte Formen der filmischen Darbietung von Musik erkunden und es ermöglichen, „Musik zu sehen und Bilder zu hören“. Bachs Stück hielt er für besonders gut geeignet, da es „nichts ausdrückt außer der Schönheit seiner eigenen musikalischen Muster“. Ein Ausschnitt des Films wird künftig im Museum gezeigt.

„Und nun zu etwas Ernstem, oder Halb-Ernstem“: So kündigte der Jazz-Klarinettist und „King of Swing“ Benny Goodman das Stück „Bach Goes To Town" an, als er es am 6. Oktober 1939 in der New Yorker Carnegie-Hall aufführte. Das Stück, eine „Fuge in Swing“, stammt von dem blinden britischen Komponisten Alec Templeton, der später sagte: „Gute Musik muss nicht schwerfällig daherkommen, um gut zu sein – sie kann alles sein, von Bach bis Jazz.“ In einer Vitrine präsentiert das Museum künftig eine Klarinette aus dem Besitz von Benny Goodman, auf dem das Stück einst erklang. Sie stammt aus dem Nachlass des Schweizer Sammlers Kurt Müller. Zum letzten Bach-Geburtstag 2014 war sie dem in Eisenach befindlichen Jazz-Archiv der Lippmann + Rau Stiftung feierlich übergeben worden – ab dem 21. März 2015 ist sie dauerhaft im Bachhaus zu bewundern.

„Bühne frei für J.S. Bach: Inspiration und Popularisierung
Erweiterung der Daueraustellung im Bachhaus Eisenach, ab 21.03.2015
Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, 99817 Eisenach
Öffnungszeiten: täglich, 10–18 Uhr

Eröffnung: im Rahmen der Bach-Geburtstagsfeier, 21.03.2015, ca. 12.30 Uhr

Fotos

Kustos Uwe Fischer präsentiert die Klarinette von Benny Goodman. Foto: André Nestler

Klarinette von Benny Goodman. Leihgabe: Lippmann+Rau Stiftung / Kurt-Müller-Stiftung. Foto: André Nestler

„Fantasia“. Programmheft, 1940
 

Charles François Gounod (1818–1893)
Woodburytypie, 1875

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