Bachhaus Eisenach

Museum der Neuen Bachgesellschaft e.V.

11.05.2016

Ausstellungsplakat (Design: Susanne Jordan, Erfurt)

Sonderausstellung, 24.06.–06.11.2016

Luther, Bach – und die Juden

Von Luthers berüchtigten antijüdischen Schriften über die Frage des Antijudaismus in Bachs Passionen bis hin zu der Wiederentdeckung von Bachs Musik in Kreisen des jüdischen Bürgertums in der Aufklärung und Romantik führt eine Ausstellung im Bachhaus Eisenach, die am 24.6.2016 beginnt.

Martin Luther hatte 1543 dazu aufgerufen, die Synagogen der Juden zu verbrennen und sie aus dem Land zu treiben: „Drum immer weg mit ihnen!“. Luthers theologisch begründeter Judenhass und sein Aufruf zur Gewalt an Juden blieben über Jahrhunderte in der lutherischen Kirche und in den Gebieten der Reformation wirksam. Heute hat sich die Evangelische Kirche von diesem Teil von Luthers Lehre verabschiedet und betrachtet seine antijüdischen Schriften als „Dokumente der Schande“. Doch die Popularität von Bachs Musik verleiht dem unaufgeklärten Luthertum des Barock weiter eine Stimme und macht auch dessen antijüdische Botschaften weiter hörbar, wie die Rezeptionsgeschichte besonders von Bachs Passionen beweist. Dass deren Wiederentdeckung gerade der Bach-Liebe und Bachpflege eines bürgerlichen Judentums zu verdanken ist, dass Juden maßgeblich Anteil an der „Bach-Renaissance“ hatten, die bis heute fortwirkt, gehört zu den geschichtlichen Ironien, denen sich die Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ ab dem 24.6. widmet.

In einem ersten Teil der Ausstellung geht es um Luthers Judenfeindlichkeit und dessen Nachwirken im Bach-zeitlichen Luthertum. Thematisiert wird Bachs Interesse an jüdischer Geschichte und dem (Anti-)Judaismus – belegt durch die Bücher in seiner „Theologischen Bibliothek“ – und die immer wiederkehrende Frage, ob Bachs Passionen judenfeindlich sind. Ein zweiter Teil widmet sich am Beispiel der Itzig- und der Mendelssohn-Familie sowie von Persönlichkeiten wie Joseph Joachim der Bach-Pflege im jüdischen Bürgertum des 19. Jahrhunderts und ihrer Bedeutung für die Bach-Renaissance. Die Ausstellung liefert zugleich einen Nachtrag zum Themenjahr 2013 der Reformations-Dekade „Reformation und Toleranz“.

 „Luther, Bach – und die Juden: Sonderausstellung vom 24.06. – 06.11.2016. Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, 99817 Eisenach.

Ausstellungseröffnung: 24.6., 16.30 Uhr. (Presserundgang 15.00 Uhr.)

Pressefotos:

(Zum Download bitte links anklicken.)

Bella Salomon geb. Itzig (1749–1824)

Bella Salomon geb. Itzig (1749–1824). Tempera auf Elfenbein, um 1800 (Privatbesitz). Foto: Mendelssohn-Remise, Berlin / Manfred Claudi

Die resolute Jüdin und Bach-Enkelschülerin Bella Salomon schenkte 1823 ihrem 14-jährigen Enkel Felix Mendelssohn Bartholdy eine Abschrift von Bachs Autograph der Matthäus-Passion. Hieraus führte dieser 1829 das Werk zum ersten Mal nach Bachs Tod auf und läutete damit die Вach-Renaissance ein.

Aus Bachs privater theologischer Bibliothek: Johannes Müller (1598–1672): Judaismus oder Jüdenthum, Das ist: Ausführlicher Bericht von des Jüdischen Volcks Unglauben, Blindheit und Verstockung. Hamburg: Härtel, 1707.

Fotos der Ausstellung

Fotos: André Nestler / Bachhaus Eisenach

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